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Leitfaden zum barrierefreien Arbeiten mit Conceptboard

Stand → Februar 2026

Einleitung

Conceptboard ist ein Produktivitätswerkzeug zur visuellen Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit findet auf grafischen, visuellen 2D-Oberflächen statt. Es kann mit Texten, Formen und verschiedenen anderen visuellen und strukturierten Objekten gearbeitet werden.

Die Möglichkeiten zur Kombination dieser Objekte erlauben eine Vielzahl von Anwendungsfällen im Bereich der kreativen Problem- und Lösungsfindung, interaktiver Workshops und Arbeitsmanagement.

Die Natur der Anwendung erlaubt allerdings nur eine eingeschränkte Barrierefreiheit. Die Kombination visueller Elemente lässt sich nicht immer in ein semantisches Schema abbilden, was die Benutzung mit einem Screenreader erschwert.

Dieser Leitfaden stellt Ausgleichsmaßnahmen vor, die es sehenden Personen als Moderatoren und Board-Erstellern ermöglichen, Boards möglichst barrierefrei zu gestalten. Ziel ist, dass sehbeeinträchtigte und blinde Menschen Inhalte besser verstehen und auf diesen Bords möglichst gut mitarbeiten können.

Best Practices zur Erstellung barrierefreier Boards

Aktueller Stand der Barrierefreiheit

Conceptboard investiert kontinuierlich in Initiativen zur Verbesserung der Barrierefreiheit.

  • Das User Interface wird fortlaufend weiterentwickelt und iterativ barrierefreier gestaltet.

  • Die Arbeit orientiert sich an den Vorschriften der BITV 2.0.

  • Externe Berater begleiten diesen Prozess und attestieren die Fortschritte.

Aktuell liegen Testate vor, die eine teilweise Barrierefreiheit bestätigen und eine fortlaufende Verbesserung dokumentieren.

Trotzdem können sehende Nutzer bereits jetzt durch gezielte Maßnahmen dazu beitragen, dass ein Board möglichst barrierefrei aufgebaut ist.

Nutzung von Abschnitten

Conceptboard bietet sogenannte Abschnitte, um Inhalte thematisch zu gruppieren.

  • Bei der Erstellung eines Abschnitts kann dieser in der Seitenleiste benannt werden.

  • Inhalte wie Post-its oder Textbausteine, die visuell auf diesem Abschnitt platziert werden, gelten systemseitig als diesem Abschnitt zugehörig.

  • Sehende Nutzer können Inhalte also visuell zuordnen, während das System gleichzeitig eine semantische Struktur erstellt.

Für blinde Nutzer werden diese Inhalte durch den Board-to-Text-Dialog zugänglich:

  • Das Board kann in einer textuell strukturierten Ansicht mit Abschnitten und deren Inhalten ausgelesen werden.

  • Textelemente sind so per Screenreader zugänglich.

Beispiel:
Eine Retrospektive wird in verschiedene Abschnitte gegliedert:

  • Was lief gut?

  • Was wollen wir verbessern?

Wenn die Teilnehmenden Inhalte hinzufügen, erkennt das System automatisch, welche Post-its welchem Abschnitt zugeordnet sind.

Am Ende der Session existieren zwei gleichwertige Darstellungsformen:

  1. das grafische Ergebnis mit Post-its in Abschnitten auf dem Board,

  2. die strukturierte Textdarstellung im Board-to-Text-Dialog mit Abschnittsnamen und zugehörigen Inhalten.

Damit können auch blinde Personen den vollständigen Inhalt nachvollziehen.
 

Kontraste und visuelle Struktur

Zur Unterstützung sehschwacher Personen bietet Conceptboard die Möglichkeit, starke Kontraste und gut sichtbare Strukturen auf den Boards aufzubauen.

  • Farben: Formen und grafische Elemente können farblich klar unterschieden werden.

  • Textgestaltung: Schriftgrößen sind flexibel, Texte können fett oder kursiv formatiert werden.

  • Strukturierung: Gute Abstände, wenig Überlappungen und klare Anordnung erhöhen die Lesbarkeit.

Sehende Moderatoren und Board-Ersteller können damit die grafische Darstellung so gestalten, dass sehschwache Menschen die Struktur des Boards leicht erfassen.

Zusätzlich können sehschwache Nutzer jederzeit in beliebiger Tiefe in das Board hineinzoomen.

  • Inhalte lassen sich so in hoher Vergrößerung darstellen.

  • Navigation, Verschieben des Bildausschnitts und erneutes Herauszoomen sind einfach möglich.

Durch die Kombination aus visueller Gestaltung und Zoom-Funktion können sehschwache Personen das Board in vollem Umfang nutzen.

Nutzung der Applikation durch eingeschränkte Personen

Seh-eingeschränkte Personengruppen

Für Nutzerinnen und Nutzer mit eingeschränkter Sehleistung steht Conceptboard regulär im Browser zur Verfügung und kann sowohl per Maus als auch per Tastatur bedient werden.

  • Häufig wird die Vergrößerungsfunktion des Browsers genutzt, um Inhalte größer darzustellen.

  • Conceptboard ist mit dieser Funktion kompatibel: Vergrößerungen von bis zu 400 % sind möglich, ohne dass Interface-Elemente verschwinden oder unzugänglich werden.

  • Auch die Tastatureingabe funktioniert im Rahmen gängiger Anforderungen zuverlässig.

Damit ist es seh-eingeschränkten Personen möglich:

  • Einladungen zu Boards anzunehmen,

  • Boards zu öffnen und sich einzuloggen,

  • sowie board-unabhängige Interface-Bereiche zu nutzen, z. B.:

    • Übersicht der eigenen Boards

    • Liste der letzten Aktivitäten

    • Projektlisten

Nutzung durch blinde Personen

Blinde Personen können Conceptboard per Screenreader verwenden.

Auch für sie gilt:

  • Einladungen zu Boards können angenommen werden.

  • Boards lassen sich im Browser öffnen.

  • Die Navigation durch das Nutzerinterface und das Vorlesen von Inhalten sind möglich.

Besonders die Board-Inhalte – also nutzergenerierte Beiträge und Moderator-Inhalte – sind auf zwei Arten zugänglich:

  1. Board-to-Text-Dialog

    • Über einen Shortcut, der per Screenreader erreichbar ist, können textuelle Inhalte in einer semantischen Struktur dargestellt werden.

    • Voraussetzung: Das Board nutzt Abschnitte, und diese wurden sinnvoll benannt.

    • Der Screenreader liest die Abschnitte mit ihren Inhalten vor, sodass blinde Nutzer den inhaltlichen Zusammenhang verstehen können.

  2. Navigation per Screenreader und Tastatur

    • Blinde Personen können per Tastatur den Fokus zwischen Board-Elementen verschieben.

    • Die Inhalte werden dabei vorgelesen.

    • Diese Methode funktioniert besonders bei kleineren Boards.

    • Einschränkungen bestehen bei der Reihenfolge und Semantik der Inhalte, da diese je nach Gestaltung kreativ und frei verteilt sein können. Dies erschwert teilweise das Verständnis. Weitere Details hierzu finden sich im Abschnitt Nächste Schritte.

Zusätzlich können blinde Nutzer auch die boardunabhängigen Bereiche der Applikation per Screen-Reader nutzen, etwa:

  • den Homescreen,

  • die Boards-Übersicht,

  • sowie andere allgemeine Navigationsseiten.

Nächste Schritte

Autorensystem

Conceptboard ist bestrebt, ein Autorensystem innerhalb der Boards einzuführen. Dieses soll es sehenden Personen erleichtern, barrierefreie Boards zu erstellen und die Inhalte für sehbehinderte oder blinde Nutzer besser zugänglich zu machen.

Kernfunktionen des geplanten Systems:

  • Labeling von Elementen:

    • Standardmäßig wird der sichtbare Text eines Elements als Label verwendet.

    • Nutzer können dieses Label jedoch überschreiben, sodass der Screenreader den angepassten Text vorliest.

  • Labeling von textlosen Elementen:

    • Auch grafische Objekte ohne Text können mit einem Label versehen werden.

  • Semantische Strukturierung:

    • Inhalte können in einem semantischen Baum organisiert werden.

    • Dieser wird automatisch vorgeschlagen, basierend auf bestehenden Abschnitts-Zuordnungen.

    • Sehende Nutzer können den Baum anschließend manuell verfeinern.

Ziel ist es, eingeschränkten Nutzern die Inhalte besser zugänglich zu machen und ihre aktive Mitarbeit auf den Boards zu ermöglichen.

Weitergehende Verbesserung der generellen Barrierefreiheit

Conceptboard ist aktuell nur teilweise barrierefrei. Das Unternehmen arbeitet kontinuierlich daran, die Qualität der Barrierefreiheit weiter zu erhöhen.

Schwerpunkte dieser Entwicklung sind:

  • generelle Verbesserungen der Applikation und des User Interfaces,

  • Erweiterungen für blinde und sehbeeinträchtigte Nutzer, um:

    • den Zugriff per Tastatur auf Board-Inhalte zu verbessern,

    • sowie das Editieren von Board-Inhalten per Tastatur zu verbessern.

Langfristig könnten diese Verbesserungen dazu führen, dass der Board-to-Text-Dialog überflüssig wird, weil die Inhalte direkt und nativ über Tastatur und Screenreader zugänglich wären.

WCAG-Kontrast-Prüfer

Visuell gilt es, den Nutzenden ein ausreichendes Kontrastverhältnis zwischen Vordergrundinformationen (Text) und Hintergrundfarben anzubieten. Das ideale Verhältnis beträgt nach den Web Content Accessibility Guidelines 2.1 (Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 ) 4.5 zu 1.

Unser Kontrast-Prüfer bietet hier eine einfache Möglichkeit,

  • alle gefundenen Kontrastprobleme auf einen Klick zu korrigieren oder

  • sich einzelne Elemente, die dem geforderten Kontrastverhältnis nicht entsprechen, auf dem Board zu markieren und diese manuell zu korrigieren. Dabei zeigt der Contrast Checker live das geänderte Kontrastverhältnis an.

Export barrierefreier Nutzerinhalte

Der Export von Board-Inhalten als PDF ist möglich. Diese PDFs sind bislang nicht barrierefrei, da die semantische Struktur der Inhalte fehlt.

Mit der Einführung des geplanten Autorensystems und weiteren Verbesserungen wird es jedoch möglich sein, barrierefreie oder weitgehend barrierefreie PDF-Exporte zu erstellen.

Ziel ist es, dass Nutzer langfristig auch außerhalb von Conceptboard barrierefreie Dokumente erhalten können.

Es bleibt jedoch festzuhalten:

  • Conceptboard ist ein visuelles Werkzeug.

  • Eine hundertprozentige Barrierefreiheit kann daher auch mit großem Aufwand nicht erreicht werden.

  • Entscheidend ist, dass sehende Nutzer Boards so erstellen, dass sie barrierefrei sind – nur dann können auch Exporte in barrierefreier Form möglich werden.

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